Monatsbericht Januar 2007
Jetzt habe ich schon soviel Monatsberichte verfasst, dass ich bereits sämtliche Einleitungsmöglichkeiten ausgeschöpft habe. Es fällt mir einfach keine Neue mehr ein ...
Wieder einmal hat sich in dem vergangenen Monat soviel getan, dass ich gar nicht weiss wo ich anfangen soll zu erzählen. Bei den Erfolgen oder bei den Misserfolgen? Bei Neuanfängen oder bei Althergebrachten? Bei Freuden oder bei Leiden? Bei Bürgermeistern oder bei Bürgergesellen? Bei Regierungsvertretern oder bei Staubsaugervertretern?
Also: im Jänner 2007 – den man auch Januar 2007 nennen kann, aber das unterlasse ich mal schön – hat sich das ‚Kinder und Jugendzentrum Tarrafal’ wieder einen Monat dem mit Spannung erwarteten Förderungsende durch BMZ/ASB genähert. Immer grösser, immer spannender wird die Frage: wie geht es ab März weiter?
‚In den verschiedensten Löchern lauern schon die Geier, die auf das Ende der ‚Delta Cultura – Ära’ hoffen um sich auf das Zentrum stürzen zu können’ ... meinte der hochparanoide Projektleiter und verabschiedete sich nach Kuba.
Cabo Verde ist ein Land ohne Löcher und Geier. Gott sei’s gedankt! So können sich sämtliche Projektleiter auf ihre Arbeit konzentrieren und Finanzierungen finden. So wie ich das im Jänner auch gemacht habe!
Hierfür habe ich die verschiedensten Stellen aufgesucht. Immer mit meinem hübschen kleinen Zettelchen auf dem die Betriebskosten des Zentrums fein säuberlich und übersichtlich dargestellt waren. Und wenn irgendwer angefangen hat von professionellen Ausbildungen oder sonstigen Angeboten des Zentrums zu reden, habe ich meinen dicken Würschtelfinger erhoben und in Oberlehrermanier um Einhalt und Aufmerksamkeit gebeten. Um bei meinen Gesprächspartner nicht allzu wurstige Gefühle zu wecken haben sodann umgehend meinen Finger wieder verborgen und habe angefangen von Fahnen zu berichten. Nämlich von jenen Fahnen auf die sich alle möglichen Menschen und Organisationen irgendwas heften möchten.
So ganz im Allgemeinen bin ich ja kein Feind des Heftens. Es wurden schon die allertollsten Dinge geheftet und man soll derartige Tätigkeiten nicht schlecht reden (warum man das nicht soll könnte Thema eines der folgenden Monatsberichte sein?!). Aber in unserer derzeitigen Situation wollte ich kein Fahnengehefte sondern Nägel mit Köpfen, Beinen und beweglichen Schulterblättern.
Soll heissen: ich halte es bis heute nicht für zweckdienlich über Finanzierungen von Ausbildungen zu reden wenn ich nicht einmal Geld für einen Bleistift habe. Ich verspüre auch keine unbändige Lust mich jeden Monat 3 Monate damit zu beschäftigen wie ich die Stromrechnung begleichen könnte.
Es gäbe natürlich die Möglichkeit die Betriebskosten des Zentrums auf die verschiedenen Angebote ‚aufzuteilen’. Das würde aber nur funktionieren wenn ich Finanzierungen für sämtliche Ausbildungen, etc. hätte und würde uns vor Schwierigkeiten stellen wenn wir z.B. nur eine professionelle Ausbildung anbieten können.
Langer Rede langer Sinn (weil ‚Sinn’ hat nur Sinn wenn er auch ein bisschen lang ist!?): ich bin mit dem festen Vorsatz zu unseren Audienzen gegangen zunächst einmal Finanzierung für die Betriebskosten zu bekommen.
Zu diesen Betriebskosten ein paar Fakten, Zahlen und sonstige schöne Ausführungen!
Höhe der Betriebskosten:
- rund 3.400 € monatlich
- also rund 40.800 € jährlich
- also rund 408.000 € jahrzehntlich
- also rund 4.080.000 € jahrhundertlich (ist das denn verwunderlich?)
Was ist damit bezahlt?
- Strom, Wasser, Telefon, Internet
- Gehälter von Projektleiterchen, Assistentin, Koordinator, Psychologin, Köchin, Hauswart, Wächter und Fahrer
- Gebäudeinstandhaltung, Versicherungen, Autokosten, Büromaterial, etc.
Was ist damit garantiert?
- Fortbestand der Monatsberichte und sonstigen Tätigkeiten der Projektleitung (z.B. Finanzierungssuche ... )
- Psychologische Beratung (nein, nicht nur für das Projektleiterchen!?)
- Fussballschule
- ‚Lehmbau/Ton-projekt’
- Schwerpunktmässige Veranstaltungen
- Alphabetisierungskurse
- Informatikkurse
- Sprachkurse
Wieviel von den 40.800 € Jahresbetriebskosten haben wir schon finanziert?
- Rund 4.700 € durch das caboverdeanische Erziehungsministerium, die das Gehalt des Koordinators bezahlen.
- Mit 18.000 € jährlich habe ich den Betrag festgesetzt den Delta Cultura beitragen kann. Der setzt sich aus Einnahmen des Zentrums und Aktivitäten in Tarrafal (mehr dazu später), sowie aus Spenden aus Europa zusammen.
Laut Adam Riese, diesem Mann dem wir unsere Aufstellung zu verdanken haben, fehlen uns also noch rund (Start®Programme®Zubehör®Rechner) ... 18.100 €.
Und jetzt die gute Nachricht: der einhellige Tenor der 3 ‚Organisationen’ denen ich diese Zahl im Jänner präsentiert habe, haben gemeint „das ist aber nicht viel“.
Die nicht mehr so ganz gute Nachricht. Alle haben sodann ein „aber ...“ folgen lassen.
Aber ... der Reihe nach. Zunächst war ich beim caboverdeanischen Minister für Arbeit und Solidarität. Über dieses Ministerium laufen die Förderungen der portugiesischen Kooperation die uns ja 2006 17.000 € für den definitiven Stromanschluss gegeben haben. Die Arbeiten für diesen Stromanschluss haben übrigens diese Woche begonnen.
Ich sitze also beim Minister im Ledersofa und erzähl ihm meine Betriebskostenerlebnisse ... ich möchte ja nicht angeben, aber wer von den lieben Lesern ist schon mal im Ledersofa eines Ministers gesessen??!!! Das schaffen weltweit vielleicht grad einmal ein paar tausend Auserwählte. Das Projektleiterchen gehört zu dieser stolzen Klasse und verschweigt tunlichst, dass es in Cabo Verde keine grosse Sache ist einen Minister zu treffen. Das Minister-Normalsterblichen-Verhältnis ist hier ein ganz Anderes ...
Also ich sitze da und erzähl von den Aufstellungen die mir Adam Riese ermöglicht hat und lausche dann gespannt auf des Ministers Reaktion. All das im Ledersofa wohlgemerkt!!! ... wobei ich mir jetzt, weil ich dauernd davon red, garnicht mehr so sicher bin ob es tatsächlich Leder war?! Aber es war ein Sofa.
Der Minister sagt mir also: „18.100 € jährlich ... das ist aber nicht viel ... ABER so einfach geht das nicht Herr ... ‚Kinder- und Jugendzentrum’ (‚Wegenstein’ hat er nicht herausdrücken können) ...“
Ist natürlich gelogen. Er hat mich nicht ‚Herr Kinder- und Jugendzentrum’ genannt. Das ist frei erfunden. Er hat mich garnicht genannt. Er hat nur gemeint, dass das Ministerium sehr wohl bereit ist uns zu unterstützen wir aber enger mit dem ICA zusammenarbeiten und unser Ansuchen über diese Institution laufen lassen sollen. ‚ICA’ das ist das ‚Institut für Kinder und Jugendlichenhilfe’ ... oder so in der Art. ‚I’ steht für ‚Instituto’, ‚C’ für ‚Crianças’ (Kinder) und das ‚A’ ist mir rätselhaft ...
Ich habe also den Minister und seine Sofas wieder verlassen und habe mich auf den Nachhauseweg gemacht. Und auf der Fahrt habe ich mich geärgert und mir überlegt wie wir jetzt dieses blöde ICA dazubringen unser Zentrum zu ‚besuchen’. Es ist nämlich nicht so, dass ich beim Minister erstmals von dieser Institution gehört habe (letztes Jahr hat sie allerdings noch anders geheissen). Schon seit Anbeginn unserer Zentrumstätigkeiten versuchen wir mit diesem Institut ‚in Kontakt’ zu kommen. Eh klar: wir ‚arbeiten’ mit Kindern und Jugendlichen, das ICA ist der offizielle ‚Vertreter’ der Kinder- und Jugendhilfe seitens der Regierung ...
Ich fahr also so durch die Landschaft Santiagos und mache mir meine ICA-Gedanken ... eine überaus empfehlenswerte Tätigkeit ...
Und was jetzt folgt gehört wieder einmal in die Kategorie ‚warum sich den Kopf zerbrechen wenn man doch einen überaus aktiven Schutzengel hat!!?’ Es gehört auch zu ‚wenn das in einem Film geschildert wird würden die Zuseher sagen dass sei unrealistisch und kitschig-blöd ... ‚
Ich komme also in Tarrafal an und bin zunächst zu faul Marisa von dem Ministerbesuch zu erzählen. Lieber will ich zuerst hören was sich im Zentrum so getan hat. Und Marisa erzählt mir von einer Frau die das Zentrum besucht habe. Sie (Marisa) habe ihr das Zentrum gezeigt, die Entstehungsgeschichte erzählt, die Frau habe sich mit Schreiner- und Schneiderlehrlingen unterhalten und sei schlussendlich ganz begeistert gewesen von dem Zentrum und der Arbeit die wir hier leisten.
Natürlich will ich wissen wer diese Frau denn war?!
‚Von irgendeinem Institut ... ich habe den Namen vergessen’ bekomme ich zur Antwort.
‚Hat dieses Institut vielleicht ‚ICA’ geheissen?’
‚Ja, genau! ICA!’
So also sind wir auf dem Weg das ‚aber ... ‚ des Ministers aus dem Weg zu räumen. Die erwähnte Frau des ICA hat einen Report ihres Zentrumsbesuches an den Präsidenten dieses Institutes nach Praia geschickt und ich bin schon in Kontakt mit dessen Sekretärin um einen Termin zu bekommen. Rufe täglich dort an. Die ersten zwei Tage war die Sekretärin etwas erbost ob meiner Hartnäckigkeit. Seit dem dritten Tag (ich hatte gerade einer meiner Verblödungsphasen) scherzen wir über den Terminkalender des ICA-Präsidenten und sie hat mir hoch und heilig versprechen müssen alles in ihrer Macht stehende für uns zu tun!
Der zweite Betriebskostenfinanzierungsversuchsbesuch war bei ‚Luta contra Pobreza’. Eine landesweite Organisation die sich, ‚gespeist’ von Regierungsgeldern, der Armutsbekämpfung widmen soll. Auf der Insel Santiago werden die Gemeinde Tarrafal und Calheta von einer gemeinsamen Vertretung von ‚Luta contra Pobreza’ betreut. Deren Aufgabe ist es Projekte zu entwickeln oder eben Projekte anderer Vereine mitzufinanzieren. In den vergangenen Jahren hat diese Vertretung für Tarrafal und Calheta die Armut ganz extrem erfolgreich bekämpft. Allerdings nur die Armut der Vertreter selbst. Die Regierung hat das nicht so lustig gefunden und hat den Geldfluss in die Funktionärstaschen gestoppt. Eine zeitlang gab es ‚Luta contra Pobreza’ in Tarrafal nicht mehr. Dann kamen neue Funktionäre und jetzt fliest es wieder. Wie wir alle hoffen dorthin wo es hin soll!!!
Wir haben also die Vertreter von ‚Luta contra Pobreza’ aufgesucht und ihnen unsere Betriebskostensichtweise dargelegt. Deren Reaktion? ‚Das ist aber nicht viel, ABER ...’
Viel lieber würden sie professionelle Ausbildungen finanzieren. Das wäre bei ihren Chefs leichter ‚durchzubringen’. Ist mir eh klar: lässt sich besser auf Fahnen heften.
Allerdings sei gesagt, dass diese Art meiner Schilderung ein falsches Bild vermitteln kann. Die Leute von ‚Luta contra Pobreza’ waren wirklich sehr nett. Sie alle kenne Delta Cultura und das Zentrum schon lange und sind sehr angetan von unserer Arbeit. Sie wollen auch unbedingt, dass wir Geld von ihnen bekommen. Allerdings sind sie der Meinung - vielleicht zu Recht, vielleicht zu unrecht - dass die Gemeinde Tarrafal als Betriebskostenfinanzierer einspringen müsse. Allerdings haben sie in Aussicht gestellt, dass sie diese Aufgabe übernehmen könnten wenn die Gemeinde sich weigern sollte ...
Womit wir schon bei der dritten und letzten Ansuchensstelle wären die ich im Jänner besucht habe: die Gemeinde und deren Vorsteher, den Bürgermeister.
Diesmal habe ich alleine vorgesprochen. Marisa war auf dringenden Wegen in Praia, der Koordinator in Pedro Badejo, Natalina in der Schule, Idalena auf meinem Schreibtisch damit beschäftigt Ordnung in meine Unterlagen zu bringen ...
Ich musste bei meinem Besuch zuallererst einmal meinem Unverständnis bezüglich der Haltung der Gemeinde, Delta Cultura gegenüber Ausdruck verleihen. Als Beispiel habe ich eine Zeitschrift angeführt die die Gemeinde einmal pro Jahr herausgibt. In der letzten Ausgabe ist zwar ein Photo unserer fussballspielenden Kinder, das Zentrum wird aber mit keinem Wort erwähnt. Obwohl damals eine Journalistin im Zentrum war die ein langes Interview mit Marisa geführt hat.
In dem seitenlangen Interview mit dem Bürgermeister redet er zwar viel über Ausbildung etc., aber das Zentrum erwähnt er nicht ... so habe ich ihn also gefragt warum dies denn so sei?!
Seine Antwort war sehr diplomatisch (wie immer). Die Gemeinde wolle nicht allzu viel Werbung für das Zentrum machen weil sie wolle dass die Regierung sich intensiver an der Finanzierung beteilige und daher sei es nicht ‚hilfreich’ den Eindruck zu vermitteln das Zentrum laufe ausgezeichnet ...
Na gut, das ist höhere Politik oder eine Ausrede oder schlechtes Gewissen oder gar nichts. Hauptsache ich bin das losgeworden.
Nach der Präsentation meiner Beschwerde kam Die der Betriebskosten. Nicht zum erstenmal. Ich habe den Bürgermeister schon bei meinem vorletzten Besuch auf dieses Problem hingewiesen. Nur war das der Termin bei dem mir totenübel war ... ich habe davon berichtet ...
Diesmal habe ich meine Sichtweise anscheinend eindrücklich genug vermitteln können weil der Bürgermeister nicht wieder angefangen hat von professionellen Ausbildungen zu reden. Sein einziges ‚ABER ... !’ war, er müsse das dem Gemeinderat vorlegen. Sodann wird er mir bekannt geben mit wie viel sich die Gemeinde an den Betriebskosten beteiligen wird.
Das Treffen mit dem Bürgermeister war diesmal ein sehr Ergiebiges. Wir haben einige weitere Ideen entwickelt und er hat seinem jetzt unumstösslichen Willen uns zu helfen damit Ausdruck verliehen, dass er unser nächstes Treffen gleich für die kommende Woche angesetzt hat.
Sehr aufbauend war auch seine Verabschiedung. Er hat mich zur Tür begleitet und anstatt mir die Hand zu geben hat er mir auf die Schulter geklopft und gemeint: ‚Floriang Wegesch (so heisse ich hier) ... ein mutiger Mann. Mach einfach weiter so!’
Also! Wer es bisher noch nicht gewusst hat. Das war der Beweis!!! Ich bin’s: das mutige Projektleiterchen!
Bisschen blöd ist nur, dass er mir nicht gesagt hat ob ich guten oder schlechten Mutes bin??! Aber das werde ich auch noch herausfinden. Nächste Woche ist ja wieder Termin.
Das also waren so die wichtigsten Zukunftsplanungstreffen des Jänner. Ich glaube es werden mir alle zustimmen, dass es allen Grund zur Zuversicht gibt. 3 Stellen, 3 kleine ‚aber’, keine einzige Absage. Ich bin überzeugt, dass im Endeffekt alle 3 Stellen Geld flüssig machen werden und wir damit nicht nur die Betriebskosten sondern auch gleich die nächsten Ausbildungslehrgänge finanziert haben werden. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann finanzieren wir noch heute.
Es ist vielleicht schon einigen Lesern aufgefallen, dass dies ein Bericht mit sehr vielen ‚aber’ ist. Dieses kleine dumme Wort verfolgt mich seit Anbeginn des Monats, als wäre 2007 das Aberjahr. Fände ich aber saublöd. Auf ein Mozartjahr kann kein Aberjahr folgen ... Mozart nämlich hat der Welt ein Vermögen vermacht, wohingegen Aber herzlich wenig zum Glück auf dieser Welt beitragen kann. Wie ich jetzt einmal behaupten will, sogar im Gegenteil!
Aber wie das oft so ist, können wir die Schuld am Unglück die das Aber in die Welt gebracht hat garnicht dem Aber selbst geben. Es wird ganz einfach ständig missbraucht. So oft, dass ich mich schon frage wann das Aber endlich vor den europäischen Gerichtshof marschiert und Anzeige wegen Missbrauch erstattet.
Wie sehr mich dieses Aber verfolgt beweist auch die Tatsache, dass mir letztens – ehrlich und wirklich – von einer ‚Aber-tabelle’ geträumt hat, die ich erstellen musste. Das hat mich so mitgenommen, dass ich davon aufgewacht bin. Daher will ich auch garnicht versuchen die Tabelle hier detailliert darzustellen.
Nur damit meine ‚Aber-Ausführungen’ auf mehr Verständnis stossen eine kleine Zahlensammlung:
Im Jahr 2003 sind 54 Milliarden Dollar an öffentlicher Entwicklungshilfe von den Industrieländern in die 122 Länder der ‚dritten’ Welt ‚geflossen’. Im gleichen Jahr haben diese 122 Länder 436 Milliarden Dollar an die Banken des Nordens als Schuldendienst überwiesen!
100.000 Menschen sterben täglich am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen.
Vergleiche von Haushaltsausgaben verschiedener Länder für Sozialleistungen und Schuldendienst. Kamerun: für Sozialleistungen 4,0%, für Schuldendienst 36,0%; Elfenbeinküste: für Sozialleistungen 11,4%, für Schuldendienst 35,0%;
Kenia: für Sozialleistungen 12,6%, für Schuldendienst 40,0% ...
Die Rüstungsausgaben auf der ganzen Welt haben 2004 erstmals die 1000 Milliarden Dollar Grenze überschritten (42% davon die USA).
Dazu gleich ein paar wahnsinnig dumme ‚Aber’ die so im Umlauf sind:
... aber Hunger gab es immer schon auf der Welt.
... aber so sind die Menschen nun mal, das wird sich nie ändern.
... aber was kann ich denn dafür?
... aber Schuld daran ist die afrikanische Mentalität (was genau das sein soll weiss ich nicht!!?)
... aber diese Menschen sind eben faul und korrupt (ist etwa das mit ‚afrikanischer Mentalität’ gemeint?)
... aber die Weltwirtschaft würde bei Schuldenerlass zusammenbrechen.
... aber dem Terrorismus muss der Kampf angesagt werden.
Für mich persönlich sind das allesamt unzulässige und, wie schon erwähnt, saudumme Argumentationen. In die Welt gesetzt von Menschen die sehr oft genau wissen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht, die aber darauf spekulieren, dass sich die Mehrheit der Menschen sowieso liebend gerne von diesen ‚aber ...’ beruhigen lässt. Wer gibt schon gerne zu, dass all das Elend auf dieser Welt menschengemacht ist und also auch von Menschen wieder abgeschafft werden könnte.
Da ich mich selbst zu der Gattung ‚Mensch’ zähle (der ultimative Beweis ist allerdings noch nicht erbracht?!) glaube ich persönlich also auch daran, dass ich meinen Beitrag leisten kann.
Ich muss aber ganz ehrlich gestehen, dass ich meine Arbeit hier im ‚Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’ wenn, dann nur als sehr bescheidenen Beitrag sehe.
Mein Wunsch ist es viel mehr an der Abschaffung der ‚aber ...’ zu arbeiten. Dazu bedarf es eines intensiveren Austausches und einer breiteren Aufklärung vor allem bei den Menschen die auf Grund von dem selbst gebastelten Elend leiden. Ich finde sie haben ein Recht darauf zu erfahren warum sie in Armut leben. Sie haben ein Recht zu erfahren, dass ihre Not menschengemacht ist, dass es mehr als genug Nahrungsmittel und Güter auf dieser Welt gibt um den Hunger und das Elend zu vertreiben.
Auch fände ich es mehr als angebracht daran zu arbeiten das ‚Image’ Afrikas zu korrigieren. Die afrikanische Mentalität, an der ja angeblich all die ‚Hilfe scheitert die wir guten Europäer diesen armen Menschen zukommen lassen’ gibt es nicht. Es gibt sie ganz einfach nicht.
Erstaunlich finde ich, dass es oft jene Menschen sind die diese Mähr von der afrikanischen Mentalität verbreiten die diesen riesigen Kontinent eigentlich kaum kennen können. Weil sie ihn höchstens 2 Wochen bereist haben. Oder 2 Monate ‚dort gelebt haben’. Oder von mir aus auch 4 Jahre.
Also ich werde mich weiterhin hüten über die caboverdeanische Seele zu berichten, geschweige denn über die Afrikanische. Es gibt sie nämlich nicht. Es leben hier ganz viele ganz verschiedene Menschen.
Genau so wie nicht alle Europäer glauben alle Afrikaner seien faul. Und all die sollten sich zusammentun und eine ‚Afrika- der Kontinent der Hoffnung’ Aktion starten!!!!
So, aber jetzt wieder zu Zentrumstätigkeiten. Allzu ‚belastend’ sollen diese Berichte ja auch nicht werden?! Möchte aber alle jene ‚warnen’ denen der Fussball weder am Herzen noch im Hirn und schon garnicht in den Beinen liegt. Weil von hier an bis zum Ende des Berichtes geht es nur mehr um eben Diesen und die Meisterschaft die Mitte Jänner angefangen hat. Inzwischen haben wir 3 von 7 Spielen gespielt. Und um von Allem ein bisschen zu ‚kosten’ haben wir einmal Unentschieden gespielt, einmal verloren und einmal gewonnen.
Das Ganze hat so angefangen: Auswärtsspiel in Chão Bom gegen den dortigen Club Real Junior. Dieser spielt dieses Jahr hauptsächlich mit Spielern aus der Fussballschule dieses Ortes. Das Spiel hat ausgezeichnet begonnen. Nach 15 Minuten haben wir 1:0 geführt. Allerdings keineswegs auf Grund unserer guten Spielweise. Es war zwar ein schöner Pass eines Verteidigers auf unseren Stürmer, der in seiner unnachahmlichen Art auf und davon ist und eingenetzt hat, aber das Spiel war hektisch und nervös. Kaum zusammenhängende Spielzüge. Zur Entschuldigung meiner Spieler muss ich aber auch sagen, dass das Spielfeld in Chão Bom (viele, viele Steine) unserer Flachpass-Spielweise nicht sehr zuträglich ist. Der Ball verspringt sich ständig und lässt meine Profifussballer wie Amateure aussehen?!
In der restlichen Spielzeit haben wir dem Gegner keine nennenswerte Torchance lassen. Allerdings selbst auch keine Einzige mehr ‚erzeugt’. Ein nervöses hektisches Spiel im Mittelfeld. Das war’s. Und dann in der 91 Minute ein Eckball für Real Junior und ein blödes Kopftor weil wir ‚vergessen’ haben einen Spieler am langen Eck zu positionieren. Das darf natürlich nicht passieren, ist aber passiert. Gott sei Dank ist aber keine Welt untergegangen. Zumindest nicht die auf der wir leben. Die hat sich seelenruhig weitergedreht als hätte es keine 91. Minute gegeben?!
Dann das zweite Spiel. Und wie es die blöde Auslosung so wollte mussten wir wieder nach Chão Bom. Diesmal gegen den dortigen Club ‚Beira Mar’. Auf Grund des schlechten Spielfeldes und des schlechten ersten Spieles habe ich eine kleine Änderung vorgenommen und bin von unserem bisherigen 4-4-2 auf 3-5-2 ‚umgestiegen’. Ausserdem habe ich zwei ganz jungen Spielern (16 und 17 Jahre) ihr Meisterschaftsdebüt ermöglicht. An sich ist das nicht wirklich in die Hosen gegangen. Die Überlegenheit im Mittelfeld die ich damit erreichen wollte war durchaus gegeben. Aber leider eben nur die im Mittelfeld. Nach vor ist kaum was gegangen. 2 bis 3 kleine Chancen, aber nicht mehr. Allerdings hat auch der Gegner keine gehabt. Wie schon im ersten Spiel war es ein hektisches hässliches Spiel. Aber wie schon gesagt: auf diesem steinigen Boden ist es sehr schwer zu spielen.
Leider hatten wir wieder kein Glück (weil was anderes ist es auf derartigen Spielfeldern oft nicht) und Mitte der zweiten Halbzeit haben wir ein Gegentor bekommen. Unsere Schlussoffensive blieb unbelohnt.
Die Niederlage hat uns alle sehr getroffen. Obwohl sich immer noch alles weitergedreht hat was sich auch drehen soll! Auch die Welt.
Im Training der kommenden Woche habe ich die Nervosität der Spieler deutlich bemerkt. Sie haben sich selbst Druck gemacht weil sie ja selbst auch wissen, dass eine Mannschaft die das ganze Jahr hindurch (mehr oder weniger) intensiv trainiert eigentlich gegen Mannschaften wie Beira Mar gewinnen müsste. Natürlich habe ich meine Spieler versucht zu ‚beruhigen’. Ich habe ihnen erklärt dass es in Cabo Verde keine wirklich gute Nudelsuppe gibt aber auch wenn es sie gäbe würde kein Spieler von Beira Mar auf dieser daherschwimmen. Wäre ja auch hirnrissig: mit dem Meer vor der Haustür in Nudelsuppen schwimmen gehen??!!
Und dann kam der vergangene Samstag. Unser erstes Spiel auf dem viel besseren Platz in Tarrafal. Gegen Estrela. Einem der zwei ‚grossen’ Mannschaften aus Tarrafal. Ein Spiel auf das Alle schon seit langem warten. Sowohl die Spieler der beiden Mannschaften als auch viele Zuschauer. Es wurde gemunkelt dies sei schon das vorgezogene Finale ... all das natürlich nicht einträglich für eine ruhige Vorbereitung auf das Spiel. So habe ich mir auch nicht viel erwartet. Meine Spieler lassen sich immer allzu leicht von irgendeiner Hektik anstecken und vergessen Alles war wir ständig trainieren.
Aber wir sind ganz ausgezeichnet in dieses Spiel ‚eingestiegen’. Zurück zu unserem altbekannten 4-4-2 (auch auf Grund der inständigen Bitte meiner Spieler) haben sie meine Vorgabe ‚Gegner kommen lassen und den freien Raum vor dem Gegentor mit Steilpässen nutzen’ gut umgesetzt. Und das Glück kam auch zurück. Nach 4 Minuten stand es 1:0 für uns. Ohne dem Gegner auch nur eine einzige Torchance zu lassen war die erste Hälfte dann aber doch eher wieder von Hektik gekennzeichnet. Nach vor ging einfach zu wenig.
In der Pause wollte ich den Spielern eine Kabinenpredigt halten und bin deshalb wie der blöde herumgerannt um eine Kabine zu suchen. Nichts! Weit und breit keine Kabine. Bis ich das endlich aufgegeben habe war das Spiel längst vorbei und die Spieler schon zu Hause. Umgehend habe ich mich informiert wie die zweite Hälfte denn so gelaufen sei und ich bekam durchwegs positive Meldungen ...
Blödsinn! In Wirklichkeit habe ich natürlich schon vorher gewusst, dass es keine Kabine gibt und damit das Ganze doch ein bisschen den ‚Touch’ einer Predigt bekommt habe ich mir von dem lieben Pfarrer sein Messgewand ausgeborgt gehabt. Und es hat Wunder gewirkt.
Das was wir in den ersten 25 Minuten der zweiten Hälfte gespielt haben war schon ganz phantastisch. Und wir haben damit nicht nur mich selbst begeistert sondern auch den Gegner. Nach dem Spiel wurden wir von Vielen gefragt wie es passieren konnte, dass wir die ersten zwei Spiele nicht gewonnen hatten!
Ohne dem Gegner auch nur eine Minichance zu lassen haben wir einen Angriff nach dem anderen gestartet. Einer schöner als der Andere. Mindestens 5 Hundertprozentige. Und ein klarer Elfmeter der aber leider nicht gegeben wurde.
Und weil das Glück nicht nur auf einer Seite verweilen wollte hat es uns unser Spiel zerstört indem es dem blöden Schiedsrichter eingeredet hat er möge doch unsere Mannschaft dezimieren damit auch die Anderen was zu lachen hätten. Eine vollkommen seltsame rote Karte für einen unserer Verteidiger hätte uns beinahe noch aus dem Konzept gebracht. Aber das Trainerchen im Priestergewand hat grossartig reagiert. Hat genial ausgewechselt und die Abwehr wieder stabilisiert. Das hätte nicht einmal ein José Mourinho so hinbekommen!!! Der könnte sich ruhig was von meinem Priestergewand abschneiden. Auch wenn das nur geborgt war.
Und um nicht vollständig abzuschweifen: wir haben das Spiel 1:0 gewonnen und die Welt dreht sich immer noch.
Zum Abschluss meiner Meisterschaftsberichterstattung noch ein wichtiger Hinweis in eigener Sache. Es geht ja immer nur um die eigenen Sachen.
Wir stellen die Meisterschaftsergebnisse (sobald wir sie vollständig haben – meisst erst Montagabend) ins Internet. Und zwar auf http://liberdadi.com/lmo/lmo.php Bei der Seite die da erscheint kann man sich sodann die zwei Gruppen die die Meisterschaft Santiago Norte ‚bilden’ anschauen. Wir spielen in der Gruppe ‚Centro Norte’ und heissen Varandinha.
Die Seite www.liberadi.com wird übrigens von Delta Cultura ‚betrieben’, befindet sich zwar noch im Aufbau, soll aber ehestmöglich zu einer ‚Internetplattform’ für Caboverdeaner und CV-Interessierte heranwachsen. Jenny und Fu arbeiten intensiv daran!
So und damit endet dieser Bericht obwohl ich wieder einmal nur die Hälfte von dem erzählt habe was ich eigentlich erzählen wollte. Aber wenn ich jetzt nicht aufhöre zu erzählen dauert es noch ein Woche bis der Bericht ‚rausgeht’. Die nächsten Tage würde ich kaum dazukommen Weisheiten und Begebenheiten von mir zu lassen ...
So muss die Welt noch warten bis sie von unseren neuen Lehm-Ton-Aktivitäten, von unserer neuen ‚Schreinereizukunft’ und sonstigen spannenden Zentrumsereignissen erfährt. Aber der Februar ist ja bald aus und dann kommt Ende Juli der Bericht dazu??!!
Liebe Grüsse an alle die es geschafft haben bis hierher zu lesen und lasst mir alle jene grüssen die bei der Hälfte aufgegeben haben!
Das Projektleiterchen


2 Kommentare:
Herr Florian
wenn sie Ihren Drogenkonsum nicht
wenigstens beim schreiben Ihrer Berichte einstellen können,
sehe ich mich dazu gezwungen
meine zugesagte Unterstützung des
Zentrums komplett einzustellen.
K.V.
lieber anonymus bzw. k.v.
fände konstruktive kritik an dieser stelle angebrachter als kindische unterstellungen.
sollten sie tatsächlich überzeugt davon sein, dass ich den drogen verfallen bin verstehe ich sowieso nicht wieso sie unterstützung in betracht ziehen??
sie sind jederzeit herzlich eingeladen uns und das projekt zu besuchen um sich persönlich von meinem nüchternen zustand zu überzeugen.
liebe grüsse,
das projektleiterchen
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