Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal
Ein Projekt in Zusammenarbeit mit


Bundesminiterium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ASB Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V Câmara Municipal do Tarrafal

Projektzielgruppe

Kinder und Jugendliche von 8 bis 18 Jahren aus besonders armen wirtschaftlichen und sozial schwachen Verhältnissen.

Problemanalyse

  • Die mangelhaften ökonomischen Ressourcen in Cabo Verde (knappes Wasser, zu wenig landwirtschaftliche Nutzfläche, kaum eigene Industrie) zwingen viele Menschen, ihren Lebensunterhalt im Ausland zu suchen. Mehr als die Hälfte der Caboverdeanischen Staatsbürger leben und arbeiten im Ausland, daher ist die Bevölkerung sehr jung (ca. 45% unter 15 Jahren). Das Durchschnittsalter liegt bei nur 19 Jahren.
  • Durch die hohe Emigration sind die traditionell sehr offenen Familienstrukturen stark zerrüttet. Die meisten Mütter haben etwa 3-5 Kinder von verschiedenen Vätern, die weder finanzielle noch fürsorgliche Verantwortung übernehmen. Normalerweise müssen die Kinder also früh mitarbeiten um das Haushaltseinkommen mitzuverdienen. Ständig konfrontiert mit der Emigration von nahestehenden Menschen, deren Geldüberweisungen und der lokalen hohen Arbeitslosigkeit wachsen die Kinder mit dem festen Wunsch auf, ihre Heimat so schnell wie möglich zu verlassen.
  • In den letzten Jahren stieg die Kriminalität sowie der Alkohol- und Drogenmissbrauch unter Jugendlichen auch in Tarrafal stark an. Harte Drogen, vor allem Kokain, werden immer stärker sichtbar. Ursachen dafür sind unter anderem:
    - eine zunehmende interne Migration. Auf Santiago, der Hauptinsel leben inzwischen 50% der Landesbewohner.
    - Besonders die unbewohnten Inseln im Nordwesten werden als Umschlagplatz internationaler Drogenringe 'missbraucht'.

Projektziele

Oberziele
  • Verringerung der Armut der Zielgruppe
  • Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Region
  • Verminderung der Anreize für eine armutsbedingte Emigration

Unterziele
  • Durchbrechen des Gefühls der Perspektivlosigkeit für die eigene wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Zielgruppe in ihrer Heimatumgebung durch die Schaffung eines eigenen Raumes - das Zentrum - , der ihnen Auswege und Hilfestellung bei der Suche nach Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
  • Schaffung von Zukunftsperspektiven für die Zielgruppe durch Ausbildung und damit Schaffung von Anreizen für die lokale Wirtschafts- und Sozialentwicklung
  • Verbesserung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Zielgruppe durch Berufsausbildung (handwerklich und theoretisch) gegenüber der Ausgangssituation und damit Verminderung der Gründe für armutsbedingte Emigration
  • Förderung der sozialen, emotionalen und schulischen Intelligenz durch Jugendworkshops, Sprach- und EDV-Kurse, Beratung und Hausaufgabenhilfe.
  • Förderung des Selbstbewusstseins sowie der emotionalen und sozialen Intelligenz als Basis zur Gewaltprävention für die Zielgruppe
  • Stärkung von zivilgesellschaftlichen Strukturen (des Vereins Delta Cultura Cabo Verde) Langfristig kann die Aktivität des Zentrums zu einem Aufhalten der rasch ansteigenden Drogen- und Gewaltspirale in dem Ort beitragen. Auch kann die Berufsausbildung und soziale Einbindung Anreize schaffen, die starke Emigration von jungen Menschen, die das soziale Gefüge erheblich schwächt, zu vermindern.

Bisherige Projektmassnahmen

Das Zentrum hat am 8. Oktober 2005, nach einer Bauzeit von 8 Monaten eröffnet.
Es befindet sich auf einem Gelände von 12.000 m², das dem Verein von der Gemeinde Tarrafal zur Verfügung gestellt wird.
Seit Oktober 2005 und bis März 2007 laufen die folgenden Ausbildungen:

  • Professionelle Ausbildung für 15 Schreiner
  • Professionelle Ausbildung für 10 Schneiderinnen
  • Informatikkurse für 20 Jugendliche (Kurse a 3 Monaten)
  • Deutsch- und Englischkurse für 40 Jugendliche (2 x wöchentlich)
  • Psychologische Beratung (1 x wöchentlich)
  • Regelmässig Workshops und schwerpunktmässige Veranstaltungen
Der Bau, die oben beschriebenen Ausbildungen sowie die Betriebskosten des Zentrums bis März 2007 wurden/werden von BMZ (Deutsches Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), ASB (Arbeiter-Samariterbund-Deutschland) und DCCV (Delta Cultura Cabo Verde) finanziert. Gesamtsumme des Projektes: 304.000 ¤.
Zusätzlich zu den beschriebenen Ausbildungen bietet das Zentrum weitere Aktivitäten, die ausschliesslich von DCCV finanziert werden:
  • Fussballschule für 150 Buben und Mädchen (Projekt läuft seit 2002)
  • Alphabetisierung für Strassenkinder Tarrafals
  • Batuco (traditioneller ,Trommel-Tanz-Gesang') für 20 Mädchen (seit 2003)
  • Terracotta Fliesenproduktion (in Kooperation mit zwei österreichischen Keramikern)

Weiterhin geplante Projektmassnahmen

  • Hilfestellung/Beratung für Jugendliche mit Berufsausbildung
  • Planung und Durchführung professioneller Ausbildungskurse (Schreiner, Schneider, Mediengestalter)
  • Grundbildung
  • Informatik- und Sprachkurse
  • Betrieb Fussballschule (wie bisher)
  • Bildung von Jugendgruppen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen (Batuco -wie bisher, Gründung weiterer Gruppen)
  • Planung und Durchführung von handwerklichen und kulturellen Workshops sowie themenorientierter Veranstaltungen (wie bisher)
  • Beratung und Betreuung bei schulischen, sozialen und berufsorientierenden Fragen (wie bisher)
  • Weiterentwicklung des Lehmbauprojekts (Terracotta Produktion)
  • Ausbau des Zentrums zur Erweiterung der professionellen Ausbildungen (Zivilbau, Hotelarie)

Langfristige Ziele

Der Bau des Zentrums sowie ein Grossteil des Betriebs (professionelle Ausbildungen, Workshops, Veranstaltungen) ist mit Hilfe des ASB und des BMZ bis Ende März 2007 gesichert. Ziel von Delta Cultura Cabo Verde ist es, den Betrieb des Zentrums auf Jahre hinaus zu finanzieren. Ohne Hilfe von caboverdeanischen öffentlichen Stellen (Gemeinde, Ministerien, Institute für professionelle Aus- und Weiterbildung) wird dies zunächst nicht möglich sein. Es liegen bereits Zusagen all dieser Stellen vor, das Projekt nach Ablauf der Förderung zu unterstützen. Delta Cultura wird aber gleichzeitig intensiv nach 'neuen Wegen' zur Finanzierung eines derartigen Projektes suchen. Zahlreiche sogenannte 'Entwicklungszusammenarbeit - Projekte' zeigen leider, dass Langfristigkeit und Nachhaltigkeit durch die Partizipation öffentlicher Stellen in keiner Weise garantiert sind!