Dienstag, Oktober 23, 2007

Computer für Afrika? Die brauchen doch erstmal was zu Essen! (von Christian Fu Müller)

Bei unserer Arbeit für Delta Cultura im ICT und Fundraising Bereich werden wir fast täglich mit diversen Argumenten konfrontiert, die sich hartnäckig halten und mir jedesmal den Magen umdrehen. Ein paar Highlights gefällig?

Zu Spenden nach Afrika generell:
"Wir sollten erstmal im eigenen Land anfangen, statt immer nur an andere Länder zu spenden."

und:
"Afrika? Das ist doch ein Fass ohne Boden!"


Zu Computerspenden:
"Die Leute brauchen dort etwas zum Essen und Kleider auf ihren Körper. Was nutzt da ein PC, wenn es in vielen Dörfern überhaupt noch kein Strom gibt. Die bislang gespendeten PC kommen nur einer kleinen Auswahl von Leuten zu gute, die eh keine Probleme mit den von mir aus erwähnten Dingen haben."


Zur Mediengestalterausbildung:
"wie im blog zu lesen ist, ist der strand nicht weit und wird wohl auch recht häufig besucht. ich halte so vom ersten eindruck garnix davon. das wirkt weder seriös noch wirklich überlegt sinnvoll."


und, ebenfalls zur Mediengestalterausbildung:
"die können sich doch ein paar inder anlocken und fertig ists"


Meist möchte ich laut schreien (manchmal tu ich's auch), wenn ich sowas lese oder höre. Letztendlich ist das aber keine gute Reaktion. Was kann man also tun, um solche Kommentare zu entkräften und die Leute etwas aufzuklären?

Reden, schreiben, argumentieren?

Mir will einfach nicht in den Kopf, welches Afrika Bild sich in den Köpfen der Europäer seit Jahrzehnten hält. Anscheinend ist ganz Afrika ein "Land" in dem kleine ausgehungerte Kinder nackt mit Blähbäuchen vor Hütten stehen und auf ihren Tod warten. Anscheinend brauchen die Leute in Afrika keine Musik, keine Kultur, keine Bildung und schon gar kein Internet, lieber sollte man ein bisschen Milchpulver und ein paar alte Anziehsachen nach Afrika verschiffen, das wäre grossartige Hilfe!

Afrika ist ein riesiger Kontinent. Es gibt hier ebenso Ghettos wie auch hochtechnisierte Städte. Es gibt sehr arme Länder und Länder die etwas mehr Wohlstand haben.
Wir haben hier in Cabo Verde eine demokratische Regierung und keine Hungersnöte.
Bildung ist hier aber ein rares Gut, auf das wohl trotzdem ohne Frage jeder Mensch ein Grundrecht hat. Nur durch Bildung kann nachhaltig geholfen werden. Das Schulsystem hier ist veraltet, die Lehrer häufig unzureichend ausgebildet, selbst die Prügelstrafe ist trotz Verbot weit verbreitet.

PC's sind sogar in den Schulen Mangelware. Das Internet hier ist eins der langsamsten und gleichzeitig teuersten der Welt! Ein normaler DSL 1024 Anschluss kostet hier inklusive Datentransfer pro Monat schon mal 300-500 Euro. Eine Lehrerin verdient hier aber nur 400 Euro pro Monat. Eine Bäuerin schafft es wenn überhaupt auf die Hälfte. Kein Wunder also, dass ganz Kap Verde grade mal 5.000 Internet Anschlüsse zählt.

Die nötige Bildung um der Armut zu entkommen gibt es nur im Ausland. Vor Ort gibt es keine Kompetenzen um aus eigener Kraft Bildungsangebote und moderne technische Betriebe anzubieten, da diese bereits im Ausland sind (Brain Drain Effekt).
Sind die Menschen erst einmal in der Ferne, so findet kaum noch Kommunikation statt zwischen Daheimgebliebenen und Diaspora, was wiederum zur Folge hat, dass sich das Bild des "goldenen Europas", oder des "amerikanischen Traums" hartnäckig hält. Es gibt nur reiche Emigranten. Alles Gewinner.

Wie man es dreht und wendet: Es läuft also IMMER auf Emigration hinaus.

Niemand (ich schon gar nicht) hat etwas gegen Nachbarschaftshilfe in Europa. Im Gegenteil. Ich glaube dass es genau daran in Europa extrem fehlt. Europa als 3. Welt Land der Nächstenliebe quasi. Nur leben wir heute nicht mehr in einem isolierten Nationalstaat sondern in einer globalisierten Welt. Die Probleme eines Bauern in Westafrika sind eben doch auch die Probleme eines Arbeiters, Angestellten oder Vorgesetzten in Europa. Genau aus diesem Grund ist Hilfe für Kap Verde auch immer Hilfe für Europa.

Wenn wir die Emigration nach Europa verringern möchten und den Leuten in Afrika wirklich eine Chance für die Zukunft geben wollen, dann sollten wir dafür sorgen, dass Afrika nicht den Anschluss an das Informationszeitalter verpasst. Leider hat kaum Jemand ein wirkliches Interesse daran, die Lücke, die zwischen Europa und Afrika im Bildungs- und Informationsbereich herrscht, zu schliessen.

Delta Cultura hat dieses Interesse. Für uns sind die Menschen von Cabo Verde keine Statistiken. Sie sind kein Zahlen sondern Menschen mit Gesichtern und Namen wie Zé, Jamilla oder Jorge. Wir kennen sie, ihre Familien und ihre Hintergründe. Und wir kennen ihre Wünsche, Sehnsüchte und Ziele.

Wir sind vor Ort. Wir wissen was fehlt. Wir wissen wie man sinnvoll helfen kann.

Also gebt uns eine Chance und unterstützt uns!


Laotse: "Gib einem Mann einen Fisch, und Du ernährst ihn für einen Tag. Lehre ihn das Fischen und Du ernährst ihn für ein Leben."

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Donnerstag, Juni 12, 2003

Hochgesteckte Ziele

Die UNO hat im Jahr 2000 Zahlen veröffentlicht die uns zu denken geben könnten ...

* Mehr als eine Milliarde Menschen lebt in extremer Armut
* Jeder 5. Mensch auf der Welt muss mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen.
* Mehr als 700 Millionen Menschen sind unterernährt und hungern.
* 115 Millionen Kinder lernen weder lesen noch schreiben.
* Mehr als eine Milliarde Menschen haben kein sauberes Trinkwasser.
* Mehr als zwei Milliarden Menschen haben keine Sanitäranlagen.
* 80% aller Krankheiten in Entwicklungsländern werden durch verschmutztes Wasser verursacht.
* Mehr als 2 Millionen Menschen sterben dadurch im Jahr an vermeidbaren Krankheiten.

Die UNO hat sich im Jahr 2000 ihre Millenniumsziele für den Entwicklungshilfebereich gesteckt. Ein Auszug davon:

* Zwischen 1990 und 2015 soll die Anzahl der Menschen die mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen müssen halbiert werden.
* Zwischen 1990 und 2015 soll die Anzahl der Menschen die hungern müssen halbiert werden.
* Bis 2015 soll sichergestellt sein, dass alle Kinder dieser Welt, egal ob Buben oder Mädchen eine Grundschulausbildung erhalten.
* Bis 2015 soll die Anzahl der Menschen die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen haben halbiert werden.

Die Welt, wie sie sich demnach die UNO im Jahr 2015 wünscht:

* Mehr als 500 Millionen Menschen leben in extremer Armut
* Jeder 10. Mensch auf der Welt muss mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen.
* Mehr als 350 Millionen Menschen sind unterernährt und hungern.
* Alle Kinder lernen lesen und schreiben.
* Mehr als 500 Millionen Menschen haben kein sauberes Trinkwasser.
* Mehr als eine Milliarde Menschen haben keine Sanitäranlagen.
* 40% aller Krankheiten in Entwicklungsländern werden durch verschmutztes Wasser verursacht.
* Mehr als 1 Millionen Menschen sterben dadurch im Jahr an vermeidbaren Krankheiten.

Die österreichische Entwicklungszusammenarbeit stellt 350.000 € zur Verfügung um diese Ziele einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen!

Titel: "Die Millennium Entwicklungsziele – 8 Ziele für die Welt“

Dazu eine kleine Geschichte

Grossvater hat es in seinem Leben zu was gebracht: Reihenhaus mit Swimmingpool, Auto mit GPS, Bankkonto mit Millionen Reserven, 4 mal verheiratet und 7 Kinder.

Aus der ersten Ehe stammt seine älteste Tochter, Karin. Diese ist vor Jahren schon in ein fernes Land ausgewandert und hat ihren Papa zum stolzen 6 fachen Grossvater gemacht.

Gestern hat Grossvater nach langer langer Zeit wieder einmal einen Brief von seiner Tochter erhalten. Ein Hilferuf. Karin ist seit Monaten krank, kann sich nicht mehr um ihre Kinder und den Haushalt kümmern. Die Enkel sind bereits unterernährt, alle zusammen seien sie zu schwach um Wasser aus dem weit entfernten Brunnen zu holen. Das Haus verdreckt zusehends.

Grossvater ist geschockt. Will sofort, grosszügig und nachhaltig helfen.

Der Antwortbrief ist schon abgeschickt:

Liebste Karin,

Mit Entsetzen habe ich deinen Brief gelesen. Du musst sofort was tun! Du weißt ich helfe dir wo ich nur kann, aber bitte vergiss nicht, dass ich auch nicht unbegrenzt Reserven habe. Trotzdem muss es uns gemeinsam gelingen zumindest 3 deiner lieben Kinder, die mir wirklich alle sehr abgehen – lass sie mir ganz herzlich grüssen - durchzubringen.

Aber nicht nur das, ich finde wir sollten auch einen Plan machen wie wir von den 3 Überlebenden – bitte such du dir doch aus welche das sein sollen, wobei ich doch finde das Paul am ehesten das Zeug dazu hat einmal etwas Richtiges zu werden – also wie wir es anstellen und organisieren können dass von den Dreien wenigstens einer auch sein 20. Lebensjahr erreicht. Das muss einfach möglich sein und – verzage nicht – es wird uns gelingen, glaube mir!

Anbei schicke ich einmal eine Soforthilfe von 50 €. Gleichzeitig plane ich aber auch in einem grossen Zeitungsinserat unseren Plan zur Errettung von Paul (jetzt habe ich mich eigentlich schon fast entschieden, du solltest wirklich ihn retten. Vertraue mir, er ist ein G'scheiterl) zu schalten. Je mehr Leute von deinem Schicksal wissen, je grösser sind unsere Chancen ihn vor dem drohenden Verhungern zu bewahren. Vielleicht finden sich auf das Zeitungsinserat hin ja ein oder zwei grosszügige Spender! Und wenn wir dann den Josef auch noch durchbringen ... na, uns kann es ja nur recht sein.

Und mach dir keine Sorgen: die Kosten für das Inserat übernehme ich selbstverständlich!

Herzlichst dein,

Grosspapa

Aber diese Geschichte ist an den Haaren herbeigezogen und hat sich so mit Bestimmtheit nie abgespielt ...

Gedanken und Erfahrungen zur Entwicklungszusammenarbeit

(von Florian Wegenstein)
Mein Ausgangspunkt (als Antwort auf die Frage ‚wie kommt denn der dazu so etwas zu schreiben?’):

Ich bin im November 2002 nach Tarrafal/Cabo Verde gekommen. Ich bin hier verheiratet und habe eine Tochter. Im Dezember des selben Jahres habe ich eine Fussballschule für Kinder gegründet. Wir, Zé – der Bruder meiner Frau – und ich, trainieren seit dem über 150 Buben und Mädchen. 8 Gruppen, je zweimal die Woche und regelmässig Spiele an den Wochenenden.

Ich habe mich seit dem Entstehen der Idee zur Gründung dieser Fussballschule mit Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt. Ich habe mit sehr vielen Leuten gesprochen und war bei sehr vielen Organisationen vorstellig: Österreichische Entwicklungszusammenarbeit (Cabo Verde ist eines ihrer Schwerpunktländer), UEFA, VIDC, Fairplay, FADOC (caboverdeanische Plattform für NRO’s) ... usw.

Hier vor ort bin ich regelmässig in Kontakt mit einem deutschen Entwicklungshelfer der seit 5 Jahren für die Gemeinde Tarrafal arbeitet, sowie dem Leiter der luxemburgischen Entwicklungszusammenarbeit in Praia. Ich kenne inzwischen sehr viele Projekte weltweit: Projekte der Weltbank, von verschiedenen privaten Organisationen, von staatlichen Einrichtungen, usw.

Ich habe mich als Laie auf dieses Terrain gewagt ... und den Eindruck den ich heute von Entwicklungszusammenarbeit habe, lässt sich in ein paar Sätzen so sagen:

Entwicklungszusammenarbeit ist heute nicht mehr und nicht weniger als ein weiterer Wirtschaftszweig. Wenn nicht irgendwer der es gar nicht braucht ordentlich dabei verdient wird überhaupt niemandem geholfen.

Und das ist natürlich eine ganz unzulässige Verallgemeinerung ... die ich aber trotzdem so stehen lasse! Jeder den ich damit ungerechtfertigt angreife möge es mir verzeihen ... ich weiss aber, dass viele von denen die ich damit ungerechtfertigt angreife mir in dieser Aussage zustimmen.

Ich will ein paar Beispiele geben (ohne Namen zu nennen):

- Ein Dorf bekommt ein Kanalsystem mit Kläranlage finanziert. Um diese Kläranlage zu bedienen braucht es ausgebildete Arbeitskräfte. Es ist Teil dieses Projekts diese Arbeitskräfte zu schulen. Nur werden diese aller Voraussicht nach mit dieser Ausbildung im Ausland ein vielfaches verdienen und diese Chance auch nützen. Anscheinend ist das bekannt, darum wird sicherheitshalber vom ersten Auffangbecken dieser Kläranlage ein direkter Abfluss ins Meer gelegt ... wo sonst soll das Wasser hin sollte es einmal technische Schwierigkeiten geben???!!!

- Ein kleines abgelegenes Dorf am Meer soll unterstützt werden. Um die dafür vorgesehenen Gelder auch sinnvoll einzusetzen wird eine Schweizer Consultingfirma mit einer Studie beauftragt wie man den Menschen dieses Dorfes am Besten helfen kann. Eventuell ist bei dieser Studie herausgekommen: mit Fischerbooten, Fischerei- und Landwirtschaftszubehör ...

- Ein Land, in dem der Wind nur so weht, bekommt Windräder geschenkt ... wie üblich muss dieses Land nur die Transportkosten übernehmen. Leider stellt sich aber heraus, dass die Technik dieser Windräder nicht für in diesem Land übliche Windstärken geeignet ist. Jetzt rosten sie, die edlen Spender haben sich Verschrottungskosten gespart und die Transportfirma kann sich ja auch nicht um alles kümmern.

- Ein europäischer Sportverband fördert jeweils zwei Jahre lang ‚seinen’ Sport in einem ‚Drittweltland’. Mit dem Geld soll auch der Nachwuchs gefördert werden. Ich kenne das Land das die vergangenen zwei Jahre gefördert wurde und ich weiss, dass keine der dortigen Sportschulen auch nur irgendwas für die Förderung des Nachwuchses bekommen hat. Aber der europäische Sportverband macht sich da keine Sorgen. Er hat das Geld ganz ‚sicher’ investiert: es läuft über den afrikanischen Sportverband und den nationalen Sportverband ... da kommt sicher jeder gespendete Euro genau dort an wo er hingehört!

- Der Präsident eines Fussballvereins in Cabo Verde findet man müsse in die Jugend investieren. Er sucht um Förderung für eine Fussballschule an. Er bekommt umgerechnet 4000 €. Damit kauft er 10 Bälle und eine Fussballpumpe und ‚spendet’ das gesamte Material einer bereits bestehenden Fussballschule. Den Rest des Geldes braucht er für private Zwecke. Der Arme muss ja auch von was leben ...

Das sind Beispiele wie ich noch einige mehr kenne. Aber Gott sei Dank sind es ja ‚nur Beispiele’. ‚Schwarze Schafe gibt es überall!’ ‚Wo Menschen am Werk sind gibt es auch Korruption!’ Und ganz gewiss besteht auch die Möglichkeit unzählige Beispiele aufzulisten in denen geholfen wurde und wird. Das will und kann ich nicht abstreiten!

Ich höre immer wieder von Summen die in die verschiedenen Projekte fliessen, von Summen die gespendet werden und ich frage mich ernsthaft wieso es dann noch soviel Hunger auf der Welt gibt. Wieso noch immer so ein Ungleichgewicht zwischen ‚Nord’ und ‚Süd’ herrscht.

Vielleicht weil mit diesen Geldern unzählige Arbeitsplätze geschaffen werden die den verhungernden Kindern nicht im entferntesten auch nur zu einem Reiskorn verhelfen. Vielleicht weil mit diesen Geldern Studien in Auftrag gegeben werden, deren Ergebnisse auch kostenlos von österreichischen Volksschülern erarbeitet werden könnten. Vielleicht weil sich immer noch nicht herumgesprochen hat, dass auch ein hoher UNO- EU- oder sonstiger Beamte auf eigene Kosten den Führerschein machen könnte um sich den Chauffeur zu ersparen. Vielleicht weil Bürokratie, die immer unsinnig Geld verschlingt, in einem Bereich in dem es darum geht Menschleben zu retten, Kindern eine Zukunft zu schenken ... noch unangebrachter ist als sie es auch sonst schon ist. Vielleicht weil der Verwaltungsaufwand dieser Gelder viel zu aufgeblasen ist. Vielleicht weil das Wirtschaftsdenken einfach alles, wirklich alles, überlagert.

Viele ‚vielleichts’ ... von denen ich eigentlich überzeugt bin, dass sie ‚ganz sicher’ sind. Genauso wie ich davon überzeugt bin, dass viele Gelder sinnvoller eingesetzt wären, wenn man sie wirklichen Fachleuten überlässt. Und ich meine mit ‚Fachleuten’ nicht Profis (das ginge ja schon wieder in Richtung ‚Profit’) sondern Amateure (amare = lieben). Ich zähle mich ganz ungeniert zu diesen Leuten. Ich lebe in Cabo Verde weil ich das Land und die Menschen liebe. Ich sehe und erlebe täglich wo es fehlt. Ich getraue mich zu sagen, dass ich das besser beurteilen kann als ein studierter Fachmann der für zwei Wochen nach Cabo Verde kommt um das heraus zu finden.

Ich möchte an dieser Stelle jemanden zitieren dessen Einwilligung ich nicht habe ihn namentlich zu nennen. Aber - soviel sei verraten - es ist jemand der jahrelang in einer offiziellen Entwicklungshilfestelle in Cabo Verde gearbeitet hat:

„Ich lebe jetzt schon zwei Jahre hier, aber ich habe immer noch nicht das Gefühl die Caboverdeaner zu kennen. Einfach weil alle mit denen ich Kontakt habe, wissen wer ich bin und mir so begegnen wie sie glauben mir begegnen zu müssen um ‚gefördert’ zu werden.“

Das spricht das Problem von vielen Projekten an und wäre ein sinnvoller Ansatzpunkt für verbesserte Hilfeleistungen. Das scheint sich allerdings noch nicht wirklich herumgesprochen zu haben. Ich weiss von einem Land, dass sich auf der Suche nach einer LeiterIn für das Entwicklungshilfebüro in Cabo Verde befindet. In der offiziellen Ausschreibung dieses Postens wird ‚Deutsch und Englisch in Wort und Schrift’ verlangt. ‚Portugiesische wäre von Vorteil ...’ Kreol, die Sprache der Einheimischen wird nicht einmal erwähnt! Aber die unbedingt notwendige EU-Staatsbürgerschaft!

Ich kann nicht umhin mich zu fragen um was es denn da geht?! Also doch sicher nicht darum, die Stelle mit einer geeigneten Person zu besetzen um den Menschen des Landes WIRKLICH helfen zu können. Was sagt den ein Reisepass über die Qualität eines Menschen aus? Wieso ist dieser – in diesem Fall wirklich vollkommen unbedeutende - Herkunftsnachweis wichtiger als die Beherrschung der Sprache derjeniger denen man helfen will?

Darauf kann es keine Antwort geben. Nur den Hinweis auf herrschende Gesetze.

Also worum geht es denn dann sonst in der Entwicklungshilfe? Geht es um Menschen? Menschen die verhungern? Menschen die keine Gesundheitsversorgung haben? Menschen die keine Zukunft haben? Vergessene Menschen?

Worum geht es denn eigentlich? Ist das alles ein Spiel bei dem es nun mal leider mehr Verlierer als Sieger gibt?

Reicht es nicht zu sagen: es geht um Menschen! Reicht das nicht um zu vergessen, dass es Reispässe und sonstige hinderliche Verirrungen gibt?

Nein, es scheint nicht zu reichen! Und – es ist wohl unverkennbar – das treibt mich zur Verzweiflung, macht mich wütend, traurig, raubt mir Kraft, gibt mir Kraft, lässt mich Gefahr laufen zu verallgemeinern, bösartig zu argumentieren, ausfallend zu werden ...

Einzige Rechtfertigung die ich dafür habe ist die, dass ich täglich damit konfrontiert bin. Täglich mit Kindern zusammen bin die nur so sprühen vor Freude und Begeisterung, deren Zukunftsaussichten gleich null sind, deren Gesundheitsversorgung mehr als spärlich ist ...

Vielleicht muss ‚man’ das einmal eine zeitlang erleben damit ‚Reisepässe’ und ‚Wirtschaft’ ihre Bedeutung verlieren. Vielleicht vergisst man in dem Wirbel um Gesetze, Richtlinien, Wirtschaftlichkeit, Wiederwahl ... vielleicht vergisst man dabei:

ES GEHT UM MENSCHEN!!!!